Biografie

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Nanine Linning 

Nanine Linning (Amsterdam, 1977)

Nanine Linning verlässt in ihren multidisziplinären Arbeiten gerne ausgetretene theatrale Pfade und lässt Tanz nahtlos in Design, Video, Musik und Bildende Kunst übergehen. Ihre extrem physischen Choreografien und “Out of the box”-Events rekurrieren auf grundsätzliche menschliche Instinkte und Emotionen genauso wie auf kulturhistorische und gesellschaftskritische Aspekte. Als künstlerische Leiterin und Entrepreneur ermöglicht sie den Bau innovativer Brücken zwischen Kunst und Zuschauern sowie Presse, Politik und Sponsoren. Über die letzten 18 Jahre wurde sie vielfach ausgezeichnet.

Im Jahr 2000 war sie für den holländischen Kulturpreis nominiert. Zu ihren zahlreichen Preisen gehören der Perspektiv-Preis 2002 und der Philip-Morris-Kunstpreis für ihr Gesamtwerk 2003. Für Bacon erhielt sie 2006 den Golden Swan für die beste Tanzproduktion der Niederlande. Der Fernsehsender NPS bezeichnete sie 2007 als „Diva des Tanzes“, das Magazin Quote 2008 als „Business Babe des Jahres 2008“ und das Magazin Viva wählte sie im selben Jahr unter die 400 erfolgreichsten Frauen der Niederlande. 2010 erhielt sie den Theaterkijk-Preis für Endless Song of Silence sowie den De Mus-Preis für Dolby. Für die Choreografie von VOICE OVER wurde sie 2012 für den größten deutschen Theaterpreis Der FAUST nominiert, im darauffolgenden Jahr mit ZERO. In den Jahrbüchern tanz erhielt Linning in den vergangenen drei Jahren mehrere Nennungen in der Rubrik „Kompanie oder Kollektiv des Jahres“. In der Autorenumfrage von Die deutsche Bühne war sie in den beiden letzten Jahren in der Kategorie »Herausragender Beitrag zur aktuellen Entwicklung des Tanzes« jeweils zweimal genannt. Die Neueinstudierung ihrer Produktion REQUIEM am Konzert Theater Bern wurde 2015 mit dem Schweizer Tanzpreis des Schweizer Bundesamtes für Kultur in der Kategorie „Aktuelles Tanzschaffen“ ausgezeichnet und von tanz als eine der „Vorstellungen des Jahres“ geehrt. 2017 ehrte NRC Culture Top 100 sie als „Most Innovative Artist and Entrepeneur 2017”. Darüber hinaus nannte Die Deutsche Bühne sie in ihrer Saisonbilanz als eine der vier „bemerkenswertesten Choreografen“ zusammen mit Alain Platel and Sidi Larbi Cherkaoui. Das Magazin tanz bedachte sie in der Kategorie „Choreografin des Jahres 2017“. Ihre Kreationen und Kollaborationen wurden darüber hinaus in verschiedenen Museen präsentiert, darunter FOAM, Stedelijk Museum Den Bosch, Netherlands Architecture Institute (NAI) und  Centraal Museum Utrecht.

Sie hat einen Bachelor in Choreographie der Rotterdamer Tanzakademie (CODARTS). Während ihrer Ausbildung assistierte sie William Forsythe und Dana Caspersen bei deren Tanzfilm From A Classical Position im Jahr 1999.

Von 2001 bis 2006 war Nanine Linning Hauschoreografin des Rotterdamer Scapino Balletts, einer großen zeitgenössischen Kompanie, bevor sie sich ab März 2006 auf ihre eigene Amsterdamer Projekten konzentrierte. Im März 2006 verließ Linning Scapino um sich ihrer eigenen, in Amsterdam gefestigten Stiftung zu widmen, mit der sie sich verstärkt auf die Kreation von Tanzopern, Musiktheater und Film ausrichtete. Vier erfolgreiche Produktionen entstanden in dieser Kompanie: BACON, über den Maler Francis Bacon; CRY LOVE, ein Multimedia-Spektakel zwischen Tanz und Video-Installation; DOLBY, eine Cross-over Tanzproduktion und Rockkonzert und ENDLESS SONG OF SILENCE. Im Zuge dessen kreierte sie Cry Love Dinner (in Zusammenarbeit mit Food-Designer Remco Vellinga und 20 Tänzern), Endless Song of Silence Extended (Performance Art-Installation mit 80 Tänzern) und ihr Forschungsprojekt Cortex (Forschungsprojekt zum Thema emotional states of audiences mit 9 Neurowissenschaftlern, Neurobiologen und Neuropsychologen). 2008 startete sie zusammen mit Star-Designer Marcel Wanders Happy Hour Chandelier, ein innovatives Entertainment-Konzept mit Tänzern, die aus Kronleuchtern hängend Champagner servieren. Happy Hour Chandelier ist der New York Times zufolge “eine der besten Event-Shows im Unterhaltungsbereich.“

 

Im August 2009 wurde sie von Intendant Holger Schultze zur Künstlerischen Leiterin der Dance Company Theater Osnabrück ernannnt. Dort kreierte sie REQUIEM, eine monumentale Produktion auf die Musik von Fauré’s Requiem mit mehr als 90 Schauspielern, Tänzern, Orchester, Chor und Vokal Solisten; VOICE OVER mit Komponist Michiel Jansen und SYNTHETIC TWIN mit Iris van Herpen. Puccinis MADAMA BUTTERFLY markierte ihr Debut als Opern-Regisseurin im Jahr 2010. Zusammen mit ihren Tänzern und Filmregisseurin Clara van Gool entstand ihr Fernsehwerbespot für das Warenhaus de Bijenkorf, der von gut 11 Millionen Zuschauern in den Niederlanden allein gesehen wurde. Dieser Werbespot gewann einen silbernen und einen bronzenen Preis von EPICA, den internationalen Advertising Awards. Bei Produzent Beat the Dutch entstand die Dokumentation Nanines Passion (45 min) über die Arbeit von Nanine Linning, die im niederländischen Fernsehen ausgestrahlt sowie in ausgewählten Kinos gezeigt wurde. Im gleichen Jahr wurde Nanine gefragt ihre Arbeit bei TED x Amsterdam zu präsentieren.

Seit der Spielzeit 2012|13 setzt Nanine Linning ihre Arbeit als Künstlerische Leiterin und Chefchoreografin der mit Intendanz Holger Schultze neugegründeten Dance Company Nanine Linning am Theater und Orchester Heidelberg fort. Ihre erste Heidelberger Produktion ZERO mit verblüffenden Masken von Haute Couture-Designerin Iris van Herpen kam im Januar 2013 zur Uraufführung und wurde mit außergewöhnlichem Lob seitens des Publikums und der Presse bedacht. Dance Company Nanine Linning / Theater Heidelberg wurde eingeladen, die Mercedes-Benz Fashion Week in Amsterdam mit ZERO zu eröffnen. Die Süddeutsche Zeitung kürte die Company 2013 zur „Kompanie des Jahres“. Die Zeitschrift tanz widmete sich der Produktion und Kompanie in der Märzausgabe 2013 mit Titelbild und ausführlichem Artikel. Im Oktober 2013 gab die neue Tanzcompagnie Konzert Theater Bern mit der Schweizer Erstaufführung und somit Zweitaufführung von ZERO ihren Einstand. In der Spielzeit 2013|14 vollendete Nanine Linning mit der Premiere von der Multimedia-Tanzproduktion ENDLESS basierend auf Goreckis Symphonie Nr. 3 nach VOICE OVER und ZERO ihre Trilogie zu menschlichen Seinsweisen und -welten. Von einem „Triumph“ sprach die Süddeutsche Zeitung hinsichtlich ENDLESS, für den Mannheimer Morgen ist ENDLESS gar das „‚Must have seen‘ der Theatersaison 2013|2014“. Im Juni 2014 kam mit Philip Glass‘ ECHNATON eine „Tanzoper“ mit Tänzern, Chor, Solisten und Orchester in ihrer Regie und Choreografie zur Premiere und nach 30 Jahren zur deutschen Zweitaufführung.

In der Spielzeit 2014|15 choreografierte Linning HIERONYMUS B., ein getanztes Triptychon über das Leben und das Werk des Niederländischen Malers Hieronymus Bosch. Linnings Abend sei „beeindruckend und bildstark in seiner ästhetischen Opulenz wie Konsequenz“, urteilte der Mannheimer Morgen über HIERONYMUS B.; der Deutschen Bühne zufolge habe Nanine Linning Heidelberg „einmal mehr einen Triumph beschert“. Im Februar 2016 fiel Linning die Ehre zuteil, mit HIERONYMUS B. das Gedenkjahr der Niederländischen Stadt ’s-Hertogenbosch zum 500. Todesjahr des Malers zu eröffnen.

Die Spielzeit 2015|2016 ging für die Dance Company Nanine Linning / Theater Heidelberg mit einer radikalen stilistischen Weiterentwicklung einher. Mit der Produktion SILVER, einer tänzerischen Reflexion über die Zukunft des Menschen in einer von Technologie dominierten Zukunft, bereicherte Linning ihr Bewegungsidiom in Zusammenarbeit mit dem High-Tech Material-Designer Bart Hess um Einflüsse aus dem Popping. „Ihre Vision dessen, was passiert, wenn Humanoide die Fähigkeit zur Selbstoptimierung erlangen“, sieht der Süddeutsche Zeitung zufolge „sensationell aus“. „Athletisch kraftvolle“, „hochvirtuos“ und „furios getanzte Gruppenszenen“ hob das Darmstädter Echo im Besonderen hervor. Linnings „Versuchsanordnung“ über die Frage nach dem Menschen in einer technologisierten Welt sei „erschreckend aktuell“, so der Befund der Stuttgarter Nachrichten. Die Fachzeitschrift tanz lobte SILVER als eine Tanzproduktion, „die man nicht so schnell ad acta legen wird.“

Linning arbeitete in 6 ihrer Produktionen mit der Haute Couture Designerin Iris van Herpen zusammen; darüber hinaus auf Einladung von van Herpen im Jahr 2016 bei der SEIJAKU Couture Show in Paris.

Im November 2016 erfolgte die Premiere ihrer gefeierten multi-sensorischen Produktion KHÔRA in einer weiteren Zusammenarbeit mit Food Artist Remco Vellinga, dem visuellen Designer Bart Hess sowie dem langjährigen Weggefährten und Komponisten Michiel Jansen.  Die Deutsche Bühne schrieb hierzu „Phantastisch, kosmisch und phänomenal“. „Nanine Linnings neues Stück KHÔRA kulminierte in einer multi-sensorischen Erfahrung für Tänzer und Publikum.“

Im Frühjahr 2017 nahm Linning BACON in Kollaboration mit der Staatsgallerie Stuttgart im Zusammenhang einer großen Retrospektive des Malers Francis Bacon wieder auf. Hier arbeitete Linning mit dem Komponisten Jacob ter Veldhuis, dem Szenografen Jan Boiten und der Video-Designerin Juliane Noß zusammen. Linning bezüglich dieser Arbeit: „Ich bin interessiert an animalischen Impulsen, den Instinkten. Ich fordere meine Tänzer heraus ihre eigenen Grenzen zu überschreiten. Der Mannheimer Morgen hierzu: „Linning malt selbst. Mit Körpern. Mit Licht. Mit durchdringenden animalischen Lauten (Jacob ter Veldhuis). Und ihre […] Tänzerinnen und Tänzer liefern hervorragende Farben, Strukturen und Nuancen für Bacons Welten.“

In ihrer letzten Spielzeit in Heidelberg kreiert Linning eine weitere Tanzproduktion in Zusammenarbeit mit der hoch gehandelten russischen Mode-Designerin Irina Shaposnikova. DUSK wird seine Premiere im November 2017 feiern mit Musik von Gustav Mahler, Arvo Pärt und John Adams, live gespielt vom Philharmonischen Orchester Heidelberg.

Neben ihrer künstlerischen Arbeit war Linning von 2012 bis 2014 Vorstandsvorsitzende der Tanz-Szene Baden-Württemberg. Zudem gehört sie zu den Gründungsmitgliedern des Choreographischen Centrums Heidelberg (2012) sowie des Festivals Tanzbiennale Heidelberg (2014).  Im Jahr 2016 wurde sie zur künstlerischen Leiterin des Internationalen Wettbewerbs für Choreografie in Hannover ernannt. Stetig wachsende Besucherzahlen und eine fast durchgehende Auslastung von 97% mit allein 20.000 Besuchern in der Spielzeit 2016/17 belegen ihren Erfolg in Deutschland und darüber hinaus.

Nachdem Linning ihre Träume und Ziele für das Theater Heidelberg und seine Stadt erreicht hat, verlässt sie ihre sechsjährige Wirkungsstätte im Frühsommer 2018, um neue Herausforderungen zu suchen und ihre künstlerische Arbeit mit dem Ausbau europäischer Kollaborationen im Rahmen von Partnerschaften mit Festivals, Museen, Theatern, Künstlern und Kompanien fortzusetzen.